Tag 12 (18.04.): Vocational Day II

Am zweiten Vocational Day besuchte Denise nach der Firma Novartis die Food and Drug Administration (FDA). Wie die in Deutschland vergleichbare Behörde ist die FDA in erster Linie für die Arzneimittelsicherheit der Bevölkerung zuständig. Sie ist auch hier dem Gesundheitsministerium unterstellt.
Die FDA unterhält eigene Laboratorien, in denen auch Tests durchgeführt werden. So wird hier z. B. untersucht, ob verbotene Inhaltsstoffe in Kosmetika enthalten sind. Weitere Sicherheitsmaßnahmen, für die die FDA zuständig ist, beziehen sich auf den Kampf gegen Arzneimittelfälschungen und Drogenmißbrauch.
Es folgte ein reger Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Umgang mit Arzneimitteln zwischen Deutschland und Taiwan. Im Gegensatz zu deutschen Apotheken werden hier z. B. keine individuellen Arzneimittel hergestellt. Dies sorgte für großes Erstaunen, sodass Denise versprechen musste, umgehend nach ihrer Rückkehr „Beweisfotos“ zu schicken.
Die FDA wird nächste Woche in ein neues Gebäude umziehen. Daher ist Denise umso dankbarer für den netten Empfang und die sehr interaktive Gestaltung ihres Besuches.

 

Christoph erlebte ebenfalls einen sehr interessanten zweiten Vocational Day:

Es ist 18:00 Uhr, als ich nach 9 Stunden Vocational Day in die U-Bahn steige. Ich habe Glück und kann mich trotz voller Bahn in einen Sitz plumpsen lassen. Da sitz‘ ich nun und atme tief durch. Irgendwie kann ich noch nicht glauben, was so alles vorher passiert ist. Es war ’ne Achterbahnfahrt, die morgens beim City Government von Taipeh beginnt. Ein riesiges Gebäude, voll mit Verwaltungen und – aus der Vogelperspektive betrachtet – gebaut wie eine Taiwanesische Doppelzehn, eine Erinnerung an den Nationalfeiertag, den 10.10. eines jeden Jahres.
Als erstes wartet das Department of Urban Development auf mich – vorbereitet mit einer Präsentation bekomme ich einen Eindruck von den großen Stadtprojekten. Es geht um Neustrukturierung, Entwicklung neuer Zentren und um das Schaffen von neuem Wohnraum. Ein ganzheitliches Konzept soll Taipeh hier in die Zukunft führen. Auch ich erzähle, in das Tischmikrofon vor mir sprechend, von meinem Job und der Herausforderung, öffentliches Immobilienmanagement im Einklang mit ökonomischen Zielen zu managen.
Abschließend bekomme ich noch vom Department of Land Administration weitere Informationen über wichtige Stadtprojekte, alles im engen Takt aus Präsentation, Diskussionen, Fragen, Übersetzungen. Kaum blicke ich mich um, ist der Vormittag zu ende. Jetzt heißt es aber Lunch – wir sind schon spät dran!
Der Nachmittag hat dann mit Repro International und Giga House zwei interessante Real Estate Firmen zu bieten. Wir diskutieren über Mitarbeiterführung, den hiesigen Immobilienmarkt und aktuelle Potentiale bei Investitionen in den philippinischen Markt, einem gar nicht allzu entfernten Land mit über 100 Mio. Einwohnern. Schön, mal einen Ländervergleich aus Sicht eines Taiwanesen zu bekommen.
Voll von Eindrücken komme ich aus diesen Unternehmen und frage zaghaft meine Koordinatorin, was wir denn jetzt noch machen. Es gibt eine „surprise“. Und was für eine! Wir fahren zu Akuma Design, wo ich Timmy wiedertreffe. Was nun folgt ist ein Austausch über verschiedene Arten der Bürogestaltung, wie Designprojekte in Taiwan gestartet und gesteuert werden und über Chancen, die Kreativität im eigenen Unternehmen zu fördern. Wow! Hier herrscht so viel Energie und Gestaltungswille, dass ich vergesse, vorher schon voll mit Eindrücken gewesen zu sein. Ich erzähle viel aus Deutschland, frage noch mehr und bemerke irgendwann den dezenten Hinweis meiner Koordinatorin, mal auf die Uhr zu schauen.
Ups.
Da ist wohl etwas Zeit ins Land gegangen.
Wir machen noch schnell ein Foto und dann geht es ab zur nächsten Bahnstation.
Und da sitze ich nun. Geplättet. Kann kam glauben, dass dies alles an einem Tag passiert ist. Aber es war einfach super. Was für ein Mix! Was für ein Interesse an einem Austausch mit mir. Stark.

 

Lisa startete etwas ungewöhnlich in den Vocational Day. Es ging zunächst zur Firma ChiDeh Heavy Lift. Die Firma ist darauf spezialisiert, wirklich große bzw. schwere Gegenstände zu verladen. Hierbei kommen spezielle Kräne zum Einsatz; die meisten, die ChiDeh verwendet, tragen den Schriftzug deutscher Hersteller. Da die Fahrzeuge allerdings in der Regel an Orten zum Einsatz kommen, zu denen man nicht so einfach Zugang bekommt, konnte Lisa nur anhand des Fuhrparks und von Videos einen Eindruck von den Geschäftstätigkeiten der Firma bekommen.
Kurzerhand wurde daher einfach noch das Haus der Palast des aktuellen Firmeninhabers besichtigt. Emperor Hu, wie sich der Spross des verstorbenen Firmengründers selbst gerne bezeichnet, ist wahrlich eine Erscheinung. Gleiches gilt auch für sein Haus. Dieses hat er vor ein paar Jahren für sich, seine vier Ehefrauen, seine drei Freundinnen und seine 14 Kinder bauen lassen (das ist hier nicht normal!). Über acht Etagen erstreckt sich ein Reich aus Gold, Glitzer… und großen Plüschtieren?!
Nach einem leckeren Mittagessen ging es weiter zur Firma Central Way Express. Das Unternehmen transportiert hochsensibles Equipment, wie zum Beispiel hochpräzise Messgeräte, medizinische Instrumente oder Maschinen zur Produktion von Halbleitern oder Computerchips. Zu diesem Zweck sind alle Fahrzeuge mit einer Art Airbag ausgestattet, der Erschütterungen ausgleicht. Zusätzlich können in allen Fahrzeugen Temperatur und Luftfeuchtigkeit – gerade letztes ist hier in Taiwan sehr wichtig – reguliert und kontrolliert werden. Unter anderem hat Central Way auch die Einzelteile sowie später die fertigen Formosat Satelliten transportiert (s. unseren Besuch bei der National Space Organization). Central Way Express ist außerdem spezialisiert auf den Transport von Kunstgegenständen. Auch hier schließt sich der Kreis zu einem unserer vergangenen Ausflüge: die Firma transportiert regelmäßig Exponate des Taipei National Palace Museums.

 

Für Ricarda begann der zweite Vocational Day mit einem Kaffee und einer Fahrt im offenen Cabrio ihres Koordinators Hom. Als erster Stopp stand KAFNU auf der Agenda, ein 12-stöckiger Co-Working Space in Mitten von Taipei. Hier stehen Gründern eine Vielzahl von Räumlichkeiten und Angeboten zur Verfügung. Zur Freude der beiden ist hier viel Wert auf die Gestaltung gelegt worden. Im Erdgeschoss befindet sich ein für Gäste offenes Café/ Bistro. Darüber finden sich offene Co-Working Arbeitsplätze, Büros, Veranstaltungsräumlichkeiten, offene Loungebreiche, Konferenzräume und sogar ein Fitnessstudio. Besonderes Merkmal des Co-Working-Places sind Räumlichkeiten für Ton- und Videoaufnahmen. Zudem verfügt jede Etage über eine – für Taiwan eher unübliche – offene Teeküche und es gibt sogar Übernachtungsmöglichkeiten. Insgesamt herrscht eine ruhige und konzentrierte Arbeitsatmosphäre, die dazu einlädt, ein Teil der Community zu werden. Jedoch kann sich nicht jeder bei Kafnu einmieten; den Initiatoren ist ein interessantes und kooperationsfähiges Miteinander wichtig und daher findet vorweg ein kleines Vorstellungsgespräch mit den Gründern statt. Zum Abschluss der Führung spinnen alle an einer Taiwan-Deutschland-Startup-Exchange-Idee herum und hoffen einen engen Kontakt zu pflegen.
Am Nachmittag besuchen Hom und Ricarda AppWorks, die zweimal im Jahr bis zu 40 Startups im Rahmen eines sechsmonatigen Programms betreuen. Sie haben ihr eigenes, sehr angesehenes Ausbildungszentrum entwickelt und konzentrieren sich im Besonderen auf Startups im Tech-Bereich. Die Anmeldungen für ihr Startup-Programm bekommen sie aus ganz Asien. Appworks verfügt mittlerweile über einen Erfahrungszeitraum von acht Jahren, wodurch sich bereits ein großes Netzwerk von Startups, Mentoren, Investoren und Interessierten entwickelt hat. Schnell kommen Ricarda und Natalie, Mitarbeiterin bei Appworks, in ein sehr intensives Gespräch und tauschen Erfahrungen und Herausforderungen aus.
Neben den beiden offiziellen Besuchen führt Hom Ricarda durch Taipei und zeigt ihr Orte mit besonderen Raumkonzepten, die meist Freunde von ihm gestaltet haben. Die beiden diskutieren und analysieren mittlerweile sehr vertieft über ihre jeweiligen Ansichten und können offen über kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten sprechen.

Ein Gedanke zu „Tag 12 (18.04.): Vocational Day II

  1. Wieder hochinteressante Berichte von offenbar ganz besonderen Vocational Days, die zeigen, dass GSE neben dem Eintauchen in eine fremde Kultur auch einen persönlichen beruflichen Mehrwert vermittelt.

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