Tag 7 (13.04.): Charter-Feier mal anders

Heute Vormittag ging es für uns zum Office des Präsidenten der Republik China (Taiwan). Hier konnten wir einiges über die jüngere Geschichte Taiwans lernen.
Das Presidential Office Building ist fast 100 Jahre alt, es wurde 1919 fertig gestellt und hat seither alle Naturkatastrophen, die Taiwan regelmäßig heimsuchen, unbeschadet überstanden. Das Gebäude wurde erbaut, als Taiwan unter japanischer Herrschaft stand, was man jedoch von außen weniger sieht (es sieht sehr westlich aus). Der Grundriss des Gebäudes ist jedoch bewusst dem Schriftzeichen 日 nachempfunden, was neben den Bedeutungen Sonne und Tag auch verwendet wird, um Japan abzukürzen.
Während der Führung wurde immer wieder das Motto der aktuellen Regierung unter Präsidentin Tsai Ing-wen veranschaulicht und betont: Power to the people. Dieser Leitsatz ließ sich bereits groß in der Eingangshalle finden und begleitete uns durch verschiedene Räume, wie beispielsweise einer Ausstellung über Demonstrationen, die in Taiwan stattgefunden haben, bis hin zu verschiedenen Stempelkissen am Ausgang.
Neben verschiedenen Ausstellungsstücken wie zum Beispiel Uniformen der Bediensteten und des Militärs oder auch Siegelstempel aus Jade und einer Replika des Tisches, der im Büro der Präsidentin steht (nicht anfassen! nicht hinsetzen! nicht berühren!) wurde auch viel Kunst gezeigt: Comics und Karikaturen, von Musikern gestaltete Fesser, die Musik abspielen, Zeichnungen und Fotografien eines berühmten taiwanesischen Künstlers und Bilder von einem Malwettbewerb von Grundschülern.
Die von der Regierung genutzten Zimmer waren leider nicht begehbar, aber wir konnten dennoch ein Foto mit Präsidentin Tsai machen. 🙂

 

Nach einem leckeren japanischen Mittagessen hatten wir ein wenig Zeit, um noch ein paar organisatorische Dinge abzustimmen und uns für die Charter-Feier des RC Taipei Shihlin vorzubereiten. Anders als bei uns in Deutschland feiern die Clubs in Taiwan jedes Jahr ihren Geburtstag (der Shihlin Club wurde zum Beispiel 42) und fahren hierfür sehr groß auf: über 300 Leute, darunter auch Rotarier aus den Partner-Clubs in Japan, den Philippinen und Südkorea nahmen an der Feier teil.
Nach einigen Reden und zwei Rotary-Songs es wurde in rauen Mengen Essen aufgetischt, als Begleitung gab es eine vielfältige Show. Diese begann mit einer Modenschau der Frauen der Rotarier (Shihlin ist ein reiner Männerclub), bei der verschiedene Nationen dargestellt werden sollten. Danach eröffnete der Club mit drei Liedern die Bühne für eine Mischung aus Karaoke, Schauspielerei und Tanz. Jeder der Clubs und auch sonst jeder, der wollte, konnte auf der Bühne etwas aufführen.
Als GSE-Delegation waren wir natürlich auch mit dabei und sangen gemeinsam mit vielen rotarischen Freunden, die wir in unserer ersten Woche kennenlernen durften, das Lied Edelweiß – was auch sonst. 😉
Zum Ende hin verlagerte sich das Bühnenprogramm zunehmends in den Saal und die Party endete mit einer großen Polognese, die mehrfach ihre Runden durch den großen Raum zog.
Der Abend war ein wirklich toller Abschluss unserer ersten Woche hier in Taiwan. Wir danken dem Taipei-Shihlin Rotary Club, dass wir an dieser unvergesslichen Feier teilnehmen durften!

Tag 6 (12.04.): Erster Vocational Day

Heute haben wir das erste Mal kein gemeinsames Programm gehabt. Stattdessen gab es für uns alle interessante Einblicke in unser jeweiliges Berufsfeld.

Denise besuchte heute den Arbeitsplatz ihrer nächsten Gastfamilie: Clinic 101.
Dr. Chou ist Allgemeinmediziner, in seiner Praxis arbeiten insgesamt 6 Personen.
Wie wir es aus deutschen Arztpraxen kennen, gibt es einen Empfang, an dem man bei jedem Besuch eine Art Anamnesebogen ausfüllen muss. Danach wird man auch hier in den Wartebereich gebeten und aufgerufen. Die Praxis umfasst 3 Praxisräume, die unterschiedlich ausgestattet sind (Ultraschall- und Blutdruckmessgeräte, HNO-Instrumente usw…)
Was hier fehlt, ist ein Labor, ein separater Raum für Blutuntersuchungen. Dennoch finden Blutabnahmen statt. Am heutigen Tag hat Dr. Chou einen Termin für eine Eigenbluttherapie gegen Arthritis. Eine portable Zentrifuge, um die Blutbestandteile aufzutrennen, wird daher eigens in die Praxis geliefert. Nach etwa 10 Minuten ist das Blut aufgetrennt, die Blutplättchen können in das Kniegelenk injiziert werden.
In einem anderen Raum der Praxis werden zudem Kosmetikbehandlungen angeboten. Entsprechend kann man hier auch Kosmetikartikel erwerben. Ruby, Dr. Chous Ehefrau, erzählt, dass sie besonderen Wert auf biologische Kosmetik legt, entsprechend ist die Ware ausschließlich natürlichen Ursprungs.
Völlig überraschend ist, dass in der Praxis eine Apotheke integriert ist. Der Arzt sendet dem Apotheker die Verordnung direkt zu, dieser bereitet die Medikation für den Patienten dann tagesgenau zu, in dem er pro Tag die Tabletten in Tütchen verschweißt. Ganze Packungen werden hier indes nicht herausgegeben.
Die Praxis ist montags – samstags geöffnet, am Sonntag besucht man den Notarzt oder – im Notfall – das Krankenhaus. Man kann Termine vereinbaren, was zu Vorsorgezwecken sinnvoll ist, oder im akuten Fall ohne Termin kommen.
Grundsätzliche Standardbehandlungen sind von der Krankenkasse abgedeckt; für Therapien, die darüber hinausgehen (z. B. die Eigenbluttherapie) müssen die Patienten jedoch selbst aufkommen.
Am heutigen Tag erscheint die Wartezeit kurz, den Eindruck bestätigt Dr. Chou, nicht ohne zu erwähnen, dass man beispielsweise bei einem Hautarztbesuch durchaus mit weitaus längeren Wartezeiten rechnen kann… Zu guter Letzt erzählt Dr. Chou, dass auch hier der Montag den am stärksten frequentierten Tag darstellt.
Alles in allem findet man am Ende also doch weit mehr Gemeinsamkeiten zu Deutschland als man vorab vermutet hätte… 😉

 

Ricardas Vocational-Koordinator ist der Architekt Hom, einer von zwei Partner des Büros wooyo. Das Büro teilt sich in zwei Schwerpunkte: zum einen Kommunikationsdesign und zum anderen Architektur. Auch räumlich sind sie voneinander getrennt. Homs Architekturbüro liegt zwar zentral in der Nähe der ShihChien Universität in Zhongshan, jedoch versteckt es sich friedlich hinter hohen Mauern. Das Büro ist ein alleinstehendes, einstöckiges Gebäude und mit einer Glasfassade in Richtung eines kleinen Gartens ausgestattet. Neben fünf Mitarbeitern hat Hom einen Hund aufgenommen.
Ricarda und Hom hatten heute vier Stationen: Zuerst gingen sie in die Dihua Straße, wo sich der befreundete Architekt Chiahao Tse mit seinem Büro B+P Architects befindet. Im Januar diesen Jahres wurde eines seiner Projekte, die Reismühle in Taipeh, in dem deutschen Innenarchitekturmagazin AIT gezeigt. Als nächstes zeigte er ihr eines seiner eigenen innenarchitektonischen Projekte. Er gestaltete den Ort „walkingbook“. Im Erdgeschoss befindet sich ein Café, im ersten Obergeschoss ein Restaurant, im zweiten OG ein Co-Working-Space mit kleiner Bibliothek und darüber das Büro der Inhaber. Im besonderen war Ricarda von dem Co-Working-Space beeindruckt, hier konnte man sich einmieten und klettern, sich ins Schaufenster zum Lesen und Nachdenken setzen oder an langen Schreibtischen arbeiten. Anschließend besuchten sie die Universität ShihChien und trafen den Dekan der Architekturfakultät. Zum krönenden Abschluss ging es in Homs Büro mit einer Einführung in seine Gestaltungsphilosophie und der Vorstellung einiger seiner Projekte.

 

Es ist ca. 14:30 Uhr, als Christoph mit voller Begeisterung in einer Menge von Taiwanesen die Hände hochreißt und jubelt. Der Grund – in den letzten Stunden wurde gegessen, gesprochen und es wurden Spenden über eine Auktion eingeholt. Nun ist die Zeit für das abschließende Gruppenfoto und jeder reißt begeistert seine neu erworbenen Gegenstände hoch, vom Geschirr, über Mercedes Benz Utensilien bis hin zu Jonny Walker. Alle scheinen glücklich über das Erreichte und vor allem über die gemeinsam verbrachte Zeit zu sein. Das ist hier echt ansteckend und bringt Christoph, in vorderster Reihe sitzend, dazu, breit mitzulächeln.
Die Auktion selber wird von einem Marktschreier immer wieder angetrieben, hier wird gejubelt, geklatscht, gestaunt und vor allem geboten. Am meistens packt Christoph die positive Einstellung der Menschen. Schnell komme er ins Gespräch und hilft beim Präsentieren der angebotenen Produkte.
Christophs Tag besteht aber noch aus vielmehr: die Real Estate Association und die Fabulous Group stellen sich ihm vor – immer mit großem Engagement und großer Bereitschaft, seine Fragen zu beantworten. Man lacht, vergleicht taiwanesische mit deutschen Vorgehensweisen, blickt auf verschiedenste Bauprojekte und auf Austausch-Events in der Immobilienbranche. Ein verbindendes Element: es wird umgesetzt. Während wir über kulturelle Änderungen in der Projektarbeit diskutieren,  Strukturen hinterfragen und den Rahmen für mehr Kommunikation im Team stecken, wird hier gebaut. Und zwar nach oben. Ein Gebäude nach dem anderen hüpft mit Leichtigkeit über die Hochhausgrenze. Die Bauzeiten sind gering, das Bauvolumen groß und die geschaffene Fläche riesig. Städtebaulich wird hier sicherlich ein anderer Ansatz verfolgt, man scheint aber zufrieden zu sein. Und so blickt Christoph am Ende seines Tages auf dem Dach eines Hochhauses auf die Stadt und lässt die vielen Eindrücke auf sich einwirken.

 

Für Lisa ging es heute zunächst zur Firma GT International, bei der auch ihr Vocational-Coordinator Leo arbeitet. Die Firma hat sich zu Zeiten der wirtschaflich angespannten Beziehungen zwischen Taiwan und China auf Exporte nach und Importe aus China spezialisiert und bedient diese Relation seit über 30 Jahren. Mehrfach wurde betont, dass die langjährige Erfahrung zwingend erforderlich sei, um ausreichende Beziehungen zu den Zollbeamten in Mainland China, wie die Volksrepublik hier bezeichnet wird, aufzubauen.
Anschließend ging es für Lisa zur Firma Kerry Logistics. Die in HongKong gegründete Firma ist in über 50 Ländern vertreten, der Schwerpunkt liegt aber im asiatischen Raum. In Taiwan bietet die Firma eine Vielzahl von logistischen Dienstleistungen an, angefangen von Cargo-Transporten über Paketzustellung bis hin zum Betreiben eines online-Shops für taiwanesische Bauern. Nach einer kurzen Firmenpräsentation ging es zu einer Art Depot im Industriegebiet in der Nähe des Flughafens. Von hier aus starten die Paketzusteller morgens früh ihre Tour. Nachmittags holen sie bei den vielen klein- und mittelständischen Unternehmen, die es in Taiwan gibt, Pakete ab und bringen diese ins Depot, wo die Pakete dann manuell sortiert werden. Nur sehr wenige größere Firmen haben so viele Pakete am Tag, dass diese direkt in ein Sortierzentrum eingeliefert werden.
Ein solches Sortierzentrum konnte Lisa im Anschluss ebenfalls besichtigen. Die Firma Kerry Logistics betreibt in Taiwan – das in etwa so groß ist wie Baden-Württemberg –  vier solcher Zentren (im Vergleich: DHL hat in Deutschland insgesamt 34 Sortierzentren). Die Sortieranlagen schaffen bis zu 6.000 Paketen in der Stunde (die modernsten Sortieranlagen in Deutschland schaffen 50.000 Pakete). Da ein Großteil der Sendungen aber bereits in den Depots sortiert und nur noch in Gitterboxen umgeschlagen wird, brauchen die Sortiernanlagen aber auch nicht die Kapazitäten, die man aus Deutschland kennt.
Insgesamt war Lisa überrascht, dass es in dem sonst technologisch so weit fortgeschrittenen Land zumindest bei der Paketzustellung viele manuelle Prozesse gibt.

 

Alles in allem hatten wir alle einen sehr spannenden ersten Vocational Day. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an unsere taiwanesichen Vocational-Koordinatoren und an die Firmen, die uns so freundlich empfangen haben!

 

Für Peter war der Tag heute etwas ruhiger. Er verbrachte diesen mit Hipo, dem Vocational Day Coordinator aus dem GSE-Committee. Es ging in die Natur und anschließend versuchte er sich beim Mahjongg Spielen – mit Erfolg, wie man sieht. Abends hatte er die Möglichkeit, Hipos Familie kennenzulernen.

Tag 5 (11.04.): The heat is on, oder auch: To the skull, Peter

Heute stand unser erster Clubbesuch an und somit auch unsere erste Präsentation. Bevor es aber abends so weit war, besuchten wir tagsüber noch zwei Firmen.

Los ging es bei der Firma Hotai, die für die japanische Firma Daikin Klimaanlagen in Taiwan verkauft. Hier wurde uns ein tolles Programm geboten. Nach einer sehr kurzweiligen Firmenpräsentation, die unter anderem einen unterhaltsamen Werbespot für das von Daikin in den Klimaanlagen verwendete Kühlmittel R32 sowie einen Popsong über eben jenes Kühlmittel beinhaltete, durften wir selber aktiv werden. Wir waren aufgefordert, die Aufgaben eines Luftreinigungsgeräts zu übernehmen, indem wir die Schmutzpartikel etc. mit Bällen abwerfen mussten. Unser Ehrgeiz war geweckt und tatsächlich: mit 171 Punkten konnten wir den bisherigen Highscore von 170 Punkten deutlich übertreffen. 😉
Anschließend bekamen wir im Showroom noch gezeigt, wie Klimaanlagen im Querschnitt aussehen und grundsätzlich funktionieren. Kurz ging es auf die Dachterrasse des Firmengebäudes und dann noch ins Büro des Chefs von Hotai. Antonios war extrem entspannt und hat eine große Leidenschaft für Kunst. Alle Gemälde, die man im Firmengebäude findet, hat er selbst gemalt. Mit seiner ganzen Art hat er uns alle sehr beeindruckt.

 

Nach dem Mittagessen ging es dann zu einem Architektenbüro (TMA, was für Three Men Architecture steht, da das Büro von drei Männern gegründet wurde). Hier bekamen wir einen interessanten Einblick in den Immobilienmarkt Taiwans und wie Gebäudeplanung in Taiwan funktioniert. Wenn man sich anschaut, welche Gebäude alle von TMA konstruiert wurden, meint man fast, dass alle größeren Gebäude Taipeis und vor allem New Taipeis von dieser Firma erbaut wurden.
Interessant war es für uns auch, zu erfahren, wie viel eine Wohnung in einem der Luxusappartments Taipeis kostet: 400 Mio. US$.
Unser Besucht endete mit einer kurzen Tour durch das Großraumbüro. Wir entdecken: Auch William, einer der Grüner von TMA, ist leidenschaftlicher Maler.
In der Tiefgarage mussten wir leider unseren ersten – und hoffentlich letzten – Unfall verzeichnen: zum Glück allerdings nur eine leichte Schramme oben auf dem Kopf, die Dank unserer Größe vermutlich kaum einer sehen wird.

 

Am späten Nachmittag stand dann unser erster Clubbesuch an. Wir waren beim Tsaoshan Rotary Club eingeladen. Der Club trifft sich im Grand Hotel, einem absolut beeindruckenden Gebäude. Wir bekamen eine kurze Führung durch das Gebäude, die auch den geheimen Evakuierungstunnel und die Räume, die für Staatsbesuche zur Verfügung stehen, beinhaltete. Wir freuen uns jetzt schon auf die Distriktkonferenz, die ebenfalls im Grand Hotel stattfinden wird. Es gibt in dem großen Gebäudekomplex mit Sicherheit noch das ein oder andere zu entdecken.

 

Mit leckerem Abendessen gestärkt war es dann so weit: Nachdem wir gemeinsam mit dem Rotary Club das „typisch deutsche“ Lied Edelweiß gesungen hatten, stand sie an, unsere erste gemeinsame Präsentation. Zum Glück klappte alles sehr gut.
Unser Auftritt endete mit einer Performance von 99 Luftballons, anschließend tauschten wir Club-Banner aus und machten noch diverse Gruppenfotos.
Wir danken dem Taipei Tsaoshan Rotary Club für den schönen Abend und die tolle Gastfreundschaft!

Tag 4 (10.04.): Abge-SPACE-d

Heute begann der Tag etwas früher als sonst, gegen 7 Uhr haben wir alle das Haus verlassen. Vom Treffpunkt aus starteten wir unsere heutige Tagestour zur National Space Organization:

Hier werden Satelliten geplant und konstruiert, außerdem wird getestet, ob die gebauten Satelliten den Bedingungen vom Start beginnend über den Flug ins Weltall und im Orbit selbst Stand halten können.
Ein kleines Highlight war  unsere eigene kleine Reise in den Weltraum. Zunächst wurden wir mit unseren Raumanzügen ausgestattet, anschließend wurden uns die bisherigen Kohorten der von Taiwan in den Weltraum geschickten Satelliten vorgestellt.  Alle Satelliten tragen den Namen „Formosat“, ein nettes Wortspiel aus dem Namen „Formosa“, den die Portugiesen der Insel damals gaben und dem Wort „Satellite“. Die Satelliten dienen der Erdbeobachtung, Wetteraufzeichnung oder tragen weitere Instrumente, um die Atmosphäre untersuchen zu können. Formosat-7 soll übrigens noch dieses Jahr im Sommer ins Weltall geschickt werden.
Auf unserer Weltraumfahrt durften wir das All außerdem von Weltraumschrott befreien. Nach erfolgreicher Mission haben wir uns noch die Kontrollstation angesehen. Hier wird regelmäßig die Kommunikation der Satelliten zur Erde überwacht.

 

Nach dem Lunch fuhren wir zum nächsten Programmpunkt: der Wei Chuan Pushin Ranch. Dieses Erlebnis war im positiven Sinne etwas bizarr. Dachten wir zunächst, es handele es sich um eine (ehemalige) Milchproduktionsstätte, entpuppte sich die Anlage bei einer Fahrt mit der Kuh-Bahn als eine Mischung aus Urlaubsresort, Tierpark mit „Showeffekten“, Barbecue- und Zeltplätzen, Hochzeitslocation und DIY-Spaß. Schnell hatten wir so das Motto für den heutigen Tag gefunden. 😉

Hier die Highlights aus dem Tierpark in Kurzform:

  • Ein Angestellter im Cowboy-Look reitet ein paar Meter auf einem Pferd, um dann wieder umzukehren, ohne etwas Weiteres getan zu haben
  • Im nächsten Moment: ein paar Schafe werden von 3-4 Mitarbeitern über eine Straße getrieben (der Reiter samt Pferd von vorher sind auch wieder mit dabei)
  • Im Anschluss: Kühe melken für Anfänger (jeder, der wollte, durfte bei einer lebendigen Kuh seine Melkfähigkeiten testen, was mehr einem Euter-Berühren glich und weniger der echten Gewinnung von Milch diente; einen Programmpunkt, den wir übersprangen)
  • Die nächste Showeinlage: ein Schweinchen-Wettrennen. Alle wetten auf die Farbe des Siegers. Nicht wenige von uns bewiesen hier ihre Zockermentalität und konnten einen Preis abstauben.
  • Auch damit nicht genug:  ein weiteres Wettrennen, dieses Mal mit Ziegen. Christoph platzierte seine Wette treffsicher und konnte somit gleich zweimal jubeln. Er wird möglicherweise heute noch Lotto spielen…

Wir haben an diesem Tag viel gelacht und danken unseren Gastgebern sehr dafür.

 

Am späten Nachmittag waren wir zurück in Taipei. Dort sind wir gemütlich durch das Viertel DongMen gebummelt, wo sehr viele kreative Läden selbst gemachte Dinge verkaufen. Wir gönnten uns ein kleines taiwanesiches Eis, welches hauptsächlich aus einem geschredderten Block Eis besteht, dem mit Sirup, Speiseeis und Obst Geschmack verliehen wird.
Den Abend ließen wir gemütlich in einer sehr schönen Teestube ausklingen und konnten sogar selbst Tee zubereiten.

Tag 3 (09.04.): Auf die Knochen, Korbmacher

Ein ereignisreicher Tag ist vorbei.
Vormittags stand eine weitere offizielle Begrüßung und Vorstellungsrunde des taiwanesischen GSE-Committees an. Im Anschluss wurde noch einmal der Plan für die nächsten vier Wochen besprochen. Besonderer Fokus lag hierbei auf den Vocational Days, unseren Berufstagen, um sicher zu stellen, dass unsere Wünsche bestmöglich berücksichtigt werden. Insgesamt klingt das Programm sehr vielversprechend. Unsere Gastgeber haben wirklich alles gegeben, um uns einen möglichst spannenden und vielseitigen Einblick in den Alltag und die Arbeitswelt in Taiwan zu bieten.

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Nach einem sehr westlichen Mittagessen ging es in den Finanzdistrikt. Bei PwC bekamen wir einen guten ersten Überklick über die Wirtschaft Taiwans. Ein seit über 20 Jahren in Taiwan lebender Ire gab uns interessante Einblick, welche Möglichkeiten eine ausländische Firma hat, um in Taiwan Geschäfte zu machen, aber auch, welche Hürden vorab zu nehmen sind.

 

Wie es der Zufall (bzw. der gute Plan von Mike) wollte, befindet sich das Gebäue von PwC in unmittelbarer Nähe zum Taipei 101, einem der höchsten Gebäude der Welt. Die Aussicht von der 89. bzw. 91. Etage ist definitiv beeindruckend:

Das absolute Highlight des Tages war aber unser gemeinsames Abendessen (wir sind angekommen; Essen scheint eines der wichtigsten Themen in Taiwan zu sein):
Das Essen ist einfach der Hammer! H A M M E R. Wir sitzen mit Mike und Jenny im Restaurant DinTaiFung, das sich auf mehrere Etagen verteilt und ein tolles Ambiente bietet. Neugierig erwarten wir, was da nun auf uns zukommen wird. Der große Tisch ist auf jeden Fall schon mal verheißungsvoll. Uns wird noch schnell erzählt, wie schwer es ist, hier einen Tisch zu bekommen und dann geht es auch schon los. Es werden verschiedenste taiwanesische Gerichte serviert, Suppen, Nudeln, Gemüse, Fleisch… schnell ist allen klar, warum dieses Restaurant einen so guten Ruf genießt.
Schwer zu entscheiden, was am besten schmeckt, legen wir uns am Ende auf die Nummer 201 fest, XiaoLongBao mit Schweinefleisch, die Spezialität des Hauses. Hier wird erst getunkt, dann hineingestochen, dann getrunken, wieder getunkt und dann gegessen… unglaublich wie das schmeckt!
Christoph fasst es sehr gut zusammen: „Ich fühle mich wie KungFuPanda, der nicht aufhören kann zu essen – und noch weitere vier Wochen mit dieser Verpflegung und ich sehe auch so aus… aber gut.“

Wir reden, lachen, essen, stoßen an…einfach ein perfekter Abend.

Dass Peter dann noch einen neuen Trinkspruch erfindet, ist hier nur Nebensache. Wir trinken auf Denise‘ Knochen! In diesem Sinne: Cheers!

Tag 2 (08.04.): Erkundung der neuen Heimat & Welcome Dinner

Ricarda wohnt in der ersten Woche bei Camille, eine Opernsägerin in ihrem Alter. Die Wohnung ist etwas weiter außerhalb, was ihr die Möglichkeit bietet, die Gegend rund um Sanxia kennenzulernen. Gemeinsam mit Camille und ihrem Bruder besuchte sie heute den Sanxia Zushi Tempel, wo sie in die taiwanesische Kultur und Religion eingeführt wurde, Räucherstäbchen anzünden konnte, die vier Götter des Tempels begrüßte und zum Abschied Paper, welches Geld symbolisiert, in einem großen Ofen verbrannte.

Anschließend ging es durch die „Old Street“, mit ihren vielen kleinen Shops und Restaurants hinter Backsteinarkaden. In einer Nebenstraße entdeckten sie eine kleine, mit Bougainvilleen gerahmte Färberei, die Stoffe mit einer blauen, natürlichen Farbe der Hakkas batikt. Hier konnten nicht nur Souvenirs gekauft, sondern auch selber gemacht werden. Ihnen wurde beigebracht, wie unterschiedliche Muster geknotet und verdreht werden und wie man ein besonders blaues Blau färben kann. Erst nach drei Färbegängen und genügend Trockenzeiten dazwischen nimmt der Stoff ausreichend Farbe an.
Um die Wartezeit zu überbrücken ging es wieder auf die Straße und erneut blieb der Blick bei einem wunderschönen Bougainvilleastrauch hängen, diesmal weniger leuchtend, sondern japanisch angehaucht, in weiß-rosa. Dieser gehörte zu einer kleinem, sehr beeindruckendem Atelier. Im Obergeschoss kochte die Frau des Künstlers den drei Besuchern Tee und Kaffee und sie badeten wortwörtlich in der Sonne, in einer Badewanne, auf der Dachterrasse. Der letzte Programmpunkt des Familientages war ein Besuch beim Frisör, nicht um sich die Haare zu schneiden, sondern sie mit einer ausgiebigen Massage waschen zu lassen.

 

Abends wurde das GSE-Team bei einem großen Dinner offiziell begrüßt. Neben unseren Gastfamilien waren auch der amtierende District Governor Paul (Chi-Hsiun Kuo) sowie die Koordinatoren unserer Vocational Days anwesend. Nach eine paar kurzgehaltenen Begrüßungsreden wurde bei einer nicht enden wollenden Auswahl an leckeren vegeratischen Gerichten in lockerer Atmospäre geplaudert.

Tag 1 (07.04.): Harakiri auf Taipei’s Straßen oder auch: The Fast & the Furios 9

Gleich vorweg: eine Helmpflicht für Radfahrer besteht nicht. Eine Ansicht, die man vielleicht überdenken könnte…

Als Denise und Christoph nach einem langen ersten Tag, der unter anderem das Erklimmen des Elephant Mountains beinhaltete, den Heimweg antreten wollten, stellte sich die Frage, ob man einen Teil der Strecke mit dem Fahrrad zurücklegen sollte. Die beiden hatten Lust, wussten zu dem Zeitpunkt aber auch nicht, worauf sie dich eingelassen hatten. Taipei verfügt vereinzelt über Radwege, aber eben auch nur vereinzelt. So gestaltete sich die kleine Radtour durch die City mehr als abenteuerlich:

Man teilt sich den Weg nicht nur mit den Fußgängern (Fußgängerzone? Egal!), sondern auch mit Autos und Mopeds. Auch da spielte es keine Rolle, dass Autos mitten auf der Straße hielten (was, wenn jemand die Tür öffnet? Egal!). Es scheint verwunderlich, dass rote Ampeln befolgt werden (durchatmen…) Schön auch die Momente, in denen man auf äußerst engem Raum durch eine Ladenzeile rast (es könnte jemand aus dem Geschäft kommen! Egal!). Und so wurde „Egal“ zum Fahrradmantra… eine Art Schutzmechanismus. Nach etwa 30 Minuten waren die beiden am Ziel, die letzten Meter konnten sie lässig auf einem breiten Bürgersteig zurücklegen. Entspannung pur. (Oder wie Christoph sagt: „Langweilig…“)

Es war ein Höllenritt auf Taipei’s Straßen, Angst gepaart mit Faszination und Neugierde. Und es hat wirklich großen Spaß gemacht!